Die Schattenwelt Indonesiens

wayang als Weg zum Verständnis der Menschen auf Bali, Java und Lombok

191 Seiten, 205 Abbildungen, Euro 17,20

ISBN 978-3-935553-01-3 

Bima, der Zweite dr fünf Pandawa Brüder.  Figur aus Bali
Bima, der Zweite dr fünf Pandawa Brüder. Figur aus Bali

Götter, Dämonen und Ahnenseelen aus dem Schattenreich

"Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten".  Setze ich mich den schmeichelnden oder auch sengenden Strahlen der  Sonne aus, so ist  gar nicht zu vermeiden, dass sich hinter mir mein Schatten ausbreitet.  Doch ist vom "Reiche der Schatten" die Rede, dann gewinnt das Wort Schatten plötzlich eine untergründige Bedeutung.  Wir denken dabei an die Seelen derer, die vor uns dahingegangen sind.  Sprechen wir jedoch davon, dass "die Schatten nach uns greifen", so meinen wir damit die Welt des bedrohlichen Bösen, des Unheimlichen und Dämonischen, oder auch des Tödlichen.

In Asien und Ozeanien ist Schatten von vornherein ein vieldeutiges Wort.  Es ist damit immer zugleich ganz konkret Bild gemeint, eine Fotografie etwa, aber auch Seele und Totengeist.  Wer in Verbindung mit Verstorbenen, mit Ahnenseelen, auch mit Gottheiten und Dämonen treten will, muss sie, die Schatten, beschwören, damit sie ihm erscheinen.  So hat man bereits im Dunkel vorgeschichtlicher Zeit in Asien begonnen Tierhäute so zurechtzuschneiden, dass sie die äußere Form von Ahnen, von dämonischen Geistern, schließlich auch von Gottheiten annehmen.  Des Nachts lässt man die Figuren aus Haut von flackernden Feuern oder den Flammen von Fettlampen bescheinen, die zuckende Schatten auf eine Leinwand werfen.

Der Schattenspieler selbst ist nicht irgend so ein Akteur - er ist ein priesterlicher Magier, der die Kraft hat, die Geistwesen während des Spieles in die bewegten Schatten zu bannen. 

Für uns hier im Abendland ist die äußere Form, das, was wir sehen und anfassen können, das eigentlich Wirkliche und Bedeutungsvolle.  Theater und Schattenspiel erscheinen uns, um mit Goethe zu reden, als "ein Schauspiel, aber ach, ein Schauspiel nur." 

....Wayang Kulit Vorführung in Bali:  Ganz links Twalen.
....Wayang Kulit Vorführung in Bali: Ganz links Twalen.

Wir neigen deshalb auch dazu, eines zu übersehen:  Die Menschen in Asien empfinden dies - auch dann, wenn sie selbst wissenschaftlich ausgebildet sind und ökonomische und technische Höchstleistungen erbringen - genau umgekehrt:

Ahnen und Götter werfen lange Schatten, die das Alltagsleben der Menschen durchziehen und entscheidend mitgestalten.  Die Schatten, auch die auf der Leinwand, sind als Seelenkräfte das Wirkliche und Eigentliche, das, "was die Welt im Innersten zusammenhält".  Im Schattenspiel findet eine Begegnung der Menschen mit der Welt der Götter, der Welt der Ahnen und der Welt der Dämonen statt.

Wer jemals in einem einsamen Dorf Balis anlässlich eines Tempelfestes gegen Mitternacht die Schatten im flackernden Lichte einer Kokosölleuchte über die Leinwand geistern sah, wird diese faszinierende und zugleich zutiefst erschütternde Begegnung nie vergessen.  In einem solchen Moment sind die Grenzen zwischen Schein und Wirklichkeit, Phantasie und Realität aufgehoben.

BALI

Auf der Insel der Götter und Dämonen ist das wayang kulit, das Schattenspiel, auch heute noch ungebrochen lebendig.  Nach wie vor vibrieren die Schatten auf der über frischen Bananenstämmen aufgespannten Leinwand im geheimnisvoll flackernden Licht einer Kokosöl-Leuchte.  Nur der dalang, der Schattenspieler, darf die Figuren zum Leben erwecken - sie vor der Leinwand bewegen und ihnen seine Stimme leihen.  Er wird begleitet von vier (Südbali) oder zwei (Norbali) gender (Metallophonen).  Nach einem einleitenden Opfer beschwört er mit dem über die Leinwand tanzenden kekayonan (mystischen Lebensbaum) die Geister der Götter, Dämonen und Ahnen und veranlasst sie in die Schatten zu fahren.  Er schließt das Spiel mit einem erneuten Tanz des Lebensbaumes und einem Opfer, um die Geistwesen wieder zu entlassen.  Während des Spieles gelten die Schatten als diesen außerirdischen Wesen besessen, wie Menschen in Trance. 

Das Schattenspiel verkörpert den gesamten Kosmos:

¨       Der Bananenstamm ist die Erde,

¨       der Schirm der Himmel,

¨       die Lampe die Sonne.

¨       Die Schatten repräsentieren die Menschen und

¨       der dalang wird während des Spieles zu einer Inkarnation Gottes.

Die Zuschauer erleben nicht einfach irgendein Drama, sondern erfahren eine Begegnung mit ihren Gottheiten, mit ihren Ahnen und mit anderen Geistwesen.  Die Spiele dauern zwischen 2 und 4 Stunden, beginnen immer nachts gegen 11 Uhr, und finden nur im Rahmen von Zeremonien statt.

Anlässe sind vor allem Tempelfeste, aber auch festlich begangene Geburtsfeste, Zahnfeilungen (Eintritt ins Erwachsenendasein), Hochzeiten und die feierlichen Totenverbrennungen.  Die Figuren bestehen aus Büffelhaut, sie sind kleiner und gedrungener als die aus Java, aber sehr fein ziseliert.

....Wayang Java:  Die rechte Figur ist Hanuman.
....Wayang Java: Die rechte Figur ist Hanuman.
Gunungan Java
Gunungan Java

JAVA

Im Schattenspiel Javas spiegelt sich der besondere Geist dieser indonesischen Insel.  Das religiöse Leben beherrscht dort eine ausgesprochen feinsinnige, tolerante und auch mystisch eingefärbte Form des Islam.  Und das ist gut so  - und hoffentlich bleibt auch so.  Die verfeinerte Kultur gleicht einer farbenprächtigen Batik, in der islamische Züge mit den tief verankerten Traditionen des Hinduismus und des Ahnenkultes in faszinierender Art und Weise zu einer Einheit verschmolzen sind.  Die Themen der Spiele sind vor allem den Epen der Hindus - dem Mahabharata und Ramayana - entnommen.  Daneben gibt es auch Spiele, die auf der epischen Darstellung der Geschichte der Vorfahren der Raja-Familien basieren. 

Die Figuren der Edlen sind außerordentlich verfeinert.  Sie  haben mandelförmige Augen, lange schlanke Hälse, zarte dünne überlange Hälse und überschlanke Taillen. 

Im Kontrast dazu sind die mit magischen Kräften ausgestatteten clownischen Dienerfiguren übersteigert grob und unförmig dick. 

Wie in Bali, Lombok und Malaysia steht am Anfang und Endes des Spieles eine Figur, die Lebensbaum und Weltenberg in ihrer Funktion als Achse und Zentrum der Welt bedeutet.  Das javanische Gunungan stellt den Eingang in einen Hindutempel dar.  Der aber symbolisiert den Durch- und Übergang hinüber in die Weit des Göttlichen.

....Wayang Sasak:  Der Zweite von links ist Amir Hamza
....Wayang Sasak: Der Zweite von links ist Amir Hamza
Raja Mina Lodre, der Herrscher der See, wayang Sasak.
Raja Mina Lodre, der Herrscher der See, wayang Sasak.

LOMBOK

Auf der indonesischen Insel östlich von Bali ist ein islamisches Schattenspiel zu Hause. Dies sogenannte wayang Sasak ist jedoch weit weniger bekannt, als die Schattenspiele auf Bali und Java.

Hauptthema sind die Abenteuer von Amir Hamza, eines Oheims des Propheten Mohammed.  Das Epos ist in Persien entstanden und über Indien, Malaysia und Java nach Lombok gelangt.  Der Held erobert nach und nach die ganze Weit, indem er die Könige von Arabien, der Türkei, von Byzanz, Rom und Persien besiegt und deren Schwestern und Töchter seinem Harem einverleibt.  Nach Amirs Tod setzt Repatmaja, sein Sohn aus einer Verbindung mit einer malaiischen Prinzessin, die Eroberungen mit der Überwindung indischer und südostasiatischer Staaten fort - dies jedoch auf eine sanfte, dem Harmoniebedürfnis der Menschen Indonesiens eher entsprechende Tour.  Ganz im Gegensatz zu Amir Hamza selbst, dessen Helfer sich reichlich ungehobelt betragen, setzen Repatmaja und seine Leute nicht so sehr auf Versklavung und Totschlag, sondern mehr auf ihre Überzeugungskraft.  Er ist damit ein typischer Vertreter des ganz besonders humanen und toleranten Islam indonesischer Prägung.

Die Figuren aus Büffelhaut unterscheiden sich von denen aus Bali und Java ganz erheblich.  Amir und seine Verwandten erscheinen in einfacher Kleidung mit bloßem Oberkörper.  Die Rajas und ihre Pathis (Wesire) sind hingegen mit luxuriösen Gewändern und üppigem Schmuck angetan.  Die Figuren jedoch, die für das einfache Volk stehen, sind klein, grotesk und lustig. 

Über den Autor:

Günter Spitzing ist freiberuflicher Autor. Er hat unter anderem Bücher über Indonesien, speziell über Bali, geschrieben. Er beschäftigt sich mit der Volkskultur Indonesiens, Indiens und Griechenlands. Seine Magisterarbeit für die Universität Hamburg hat er der Ikonography des "wayang Sasak" (Lombok) gewidmet. Seine Sammlung enthält Figuren aus Indonesien, Indien, Thailand, Malaysia, Taiwan, der Türkei und Griechenland.

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Günter Spitzing

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